Die Bühnen der Stadt Köln haben ein Konzept für die interimistische Unterbringung der Oper im Staatenhaus vorgelegt. Dieses Konzept verfolgt eine große Lösung mit drei Bühnen. Es wäre mit drei unabhängigen Spielstätten die funktional stärkste Lösung des gesamten Interims. Dies ist bemerkenswert, weil es sich um eine Immobilie handelt, die bislang im städtischen Besitz war und nur sporadisch für kleine Veranstaltungen mit sehr kleinen Mieterträgen genutzt wurde.

Die Jahreserträge entsprachen ungefähr dem, was nun als Monatsmiete gezahlt werden soll. Es ist zwar nicht mehr zu ändern, aber man fragt sich schon, warum eine solche Lösung nicht viel früher zum Zuge gekommen ist, wo die Geeignetheit als Opernspielstätte doch jetzt so betont wird! Statt dessen wurde das Staatenhaus an den Betreiber des Musicalbetriebes in Erbpacht übertragen.

Als wesentlicher Vorteil der Lösung des Drei-Bühnen-Betriebes im Staatenhaus wird die Möglichkeit des Repertoirebetriebs und damit die Umsetzung des geplanten Spielplans genannt. Bis auf eine Ausnahme ließen sich alle geplanten Produktionen realisieren. Dieser Wunsch nach einer möglichst reibungslosen Adaptation des Spielplanes scheint auch die leitende Maxime gewesen zu sein. Man hat sich überlegt, was man als Haus für diese Anforderung braucht und kommt so zu dieser Lösung. Leider ist dies auch eine sehr teure Lösung – und sie wirft viele offene Fragen auf:

1. Spielplankonzept

Staatenhaus mit drei Bühnen im Repertoirebetrieb (Vorschlag der Verwaltung)

In der Vorlage der Verwaltung wird von ca. 100 Aufführungen gesprochen. Sind damit alle drei Bühnen zusammen gerechnet? Wie viele Aufführungen würden auf die einzelnen Bühnen jeweils entfallen? Insbesondere stellt sich die Frage nach der Anzahl großer Opernabende.

Die Spielzeit wird nur 8 Monate betragen. Sie wird unterbrochen von der Cäcilia Wolckenburg und ab Frühjahr gefährdet durch das Open-Air-Programm des Tanzbrunnens, der sich akustisch nicht abschotten lassen wird. Wie viele Tage sind tatsächlich für den Opernspielbetrieb realisierbar?

Alternativer Spielplan mit einer Bühne im Stagionebetrieb (s.u. Punkt 2)

Welche der aktuell geplanten Neuproduktionen lassen sich in eine Stagione-Planung durch eine komprimierte Aufführungsplanung aber bei Beibehaltung des jeweiligen Premierentermins einbauen, auf welche Produktionen müsste definitiv verzichtet werden?

Die Premierentermine: Benvenuto Cellini 7. November

La Bohème 22. November

Hoffmanns Erzählungen 12. Dezember

Jeanne d’Arc 14. Februar

Don Giovanni 5. März

Tree of Codes 9. April

Eroberung von Mexiko 8. Mai

Lucia di Lammermoor 5. Juni

Sind alle Verträge für die 8 Produktionen bereits rechtswirksam abgeschlossen und mit welchem Honorarvolumen?

Durch die Veränderungen im Terminplan würden Umbesetzungen in der Aufführungsfolge – nicht aber bei der Premiere und den ersten Abenden - erforderlich sein. Welche Kosten werden durch eine solche Anpassung ausgelöst?

2. Alternative Spielstätten für Stagionebetrieb mit einer Bühne:

Es ist nicht vorstellbar, dass die Bühnen in der Zeit vom 17.07.2015 bis zum 03.08.2015 (Sitzung des Hauptausschusses) alle Alternativen zu einer weiteren Interimspielstätte für die Oper umfassend und sorgfältig, insbesondere auch im Hinblick auf die sich daraus ergebenen Mehrkosten, geprüft haben. Deshalb erwarten wir die Prüfung von kostensensiblen Alternativen, die wie im bisherigen Interim mit einer Bühne planen.

  • Was wäre möglich, wenn man im Staatenhaus nur die Spielstätte auf der ersten Etage des Eingangsgebäudes nutzt, und den ganzen hinteren Bogen des Staatenhauses nicht mit anmietet? Das muss erhebliche Mietkosten sparen, die Herrichtung ist deutlich reduziert und schließlich könnte der Musicalbetreiber mit dem Umbau der hinteren Teile beginnen. Wir fordern die Darstellung einer solchen Teillösung, die bei der betonten Hilfsbereitschaft des Betreibers möglich sein sollte.

  • Ebenso vermissen wir konkrete Aussagen zur Mitnutzung des Depots durch die Oper. Auch vom Schauspiel ist in dieser Situation solidarische Kooperation gefragt. Dort kann nicht einfach eine Schauspielsaison geplant werden, als ob es das gemeinsame Problem der Bühnen nicht gäbe. Hierzu sind konkrete Aus- und Zusagen von Stefan Bachmann gefordert.

  • Die CDU-Fraktion und die FDP-Fraktion weisen – vor allem auch vor dem Hintergrund eines möglichen zweijährigen Interims – darüber hinaus u.a. auf folgende Alternativlösungen hin:

  • Historische KHD-Hallen 76 und 77 in Kalk
  • KHD-Halle 75 in Kalk (Spielstätte des Schauspiel Köln)
  • KHD-Halle 58, Dillenburger Straße in Köln-Kalk,
  • Zelt im Schanzenviertel oder besser noch auf städtischem Grund
  • Lanxess-Arena
  • TV-Produktionszentrum in Köln-Ossendorf
  • TV-Produktionszentrum in (Köln)-Hürth   
  • Festhalle Gürzenich (Köln Kongress),
  • Messe Köln (Köln Kongress),
  • Flora Köln (Köln Kongress),
  • Butzweilerhof in Köln-Ossendorf,
  • BAYER Kultur mit diversen Standorten,
  • Kooperation mit (der Oper) Bonn und diversen Spielstätten dort
  • Stadthalle Mülheim
  • Kammermusiksaal DLF  

3. Kalkulation

  • Schließlich sei angemerkt, dass die Kalkulation für die Drei-Bühnen-Repertoire-Variante im Staatenhaus nicht erschöpfend ausgearbeitet zu sein scheint. So fehlen Angaben zu den Logistikkosten des Repertoirebetriebs. Werkstätten und Lager sind im Staatenhaus nicht vorgesehen. Das bedeutet doch wohl erheblichen Ab- und Umbauaufwand mit entsprechenden Transporten. Dazu finden sich keine Angaben. Oder wird der Repertoiremodus nur dadurch erreicht, dass durch die Bühnenverdoppelung ein „zweifacher Stagionebetrieb“ möglich wird?

  • In den Herrichtungskosten finden sich kaum Angaben zur Spielstättenertüchtigung. Erste Recherchen unsererseits haben ergeben, dass die Hallen des Staatenhauses nicht über einen funktionierenden Brandschutz verfügen. Der Vorbetreiber Köln-Kongress hätte für dieses Jahr nicht einmal eine provisorische Genehmigung für Veranstaltungen erhalten. Wie teuer wird die Einbringung eines genehmigungsfähigen Brandschutzes sein? Wir erwarten eine belastbare Kalkulation. Nachträgliche Kostensteigerungen müssen unbedingt vermieden werden!

  • Die Oper hat bislang mit den Besucherzahlen am Offenbachplatz mit erheblich gesteigerten Eintrittspreisen kalkuliert. Beides ist nicht aufrecht zu erhalten. Wir erwarten die transparente Darstellung eines angepassten Wirtschaftsplanes.

  • Auch die Parkplatzsituation ist noch nicht gelöst. Verhandlungen mit RTL anzukündigen, ist nicht ausreichend. Ist die Geschäftsführung des Fernsehsenders RTL bereit, sein Parkhaus für die Abendstunden der Oper zur Verfügung zu stellen und welche Kosten sind damit verbunden? Gibt es Alternativen?

4. Nachhaltige Lösung für die Spielzeit 2016/17

  • Es muss damit gerechnet werden, dass die Baustelle am Offenbachplatz deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt. Deshalb muss eine Lösung für das nun zu entwickelnde Interim auch für die Spielzeit 16/17 grundsätzlich zur Verfügung stehen. Auch hier wäre zu klären, ob das Staatenhaus überhaupt für einen so langen Zeitraum zur Verfügung stünde. Eine erneute Suche nach einem Interim im nächsten Sommer wäre niemandem mehr zu vermitteln.

  • Die Stadt Köln hat erhebliche Anstrengungen unternommen, um wieder einen festen Musicalstandort zu entwickeln, der die touristische Attraktivität der Stadt erheblich steigern wird. Den Betreiber mag die Stadt mit den Mietzahlungen entschädigen. Die Besucherausfälle schlagen aber der Stadt durch entgangene Steuereinnahmen zu Buche. Auch die hier entstehenden Schäden gilt es in einer Gesamtbetrachtung für die Stadt zu kalkulieren

5. Eine detaillierte und nachvollziehbare Projektplanung muss vorliegen

  • Die Stadtverwaltung hat ja für den Neustart auf der Baustelle Offenbachplatz einen 11-Punkte-Plan vorgestellt. Unter anderem verdeutlicht dieser Plan, dass man Bauaktivitäten in komplexen Projekten nur dann erfolgreich zu Ende bringen kann, wenn die vorgelagerten Planungen eine entsprechend hohe Qualität aufweisen.

  • Zum jetzigen Zeitpunkt ist der Politik für die Herrichtung des Staatenhauses nicht einmal eine Projektskizze der Bühnen bekannt, geschweige denn ein detaillierter Projektplan. Welche Projektorganisation soll die Bereitstellung der drei Bühnen vorantreiben? Wird auf externes Know-how zurückgegriffen? Wie wird mit den ggf. notwendigen Ausschreibungen umgegangen? Mindestens die Bereitstellung des erforderlichen Brandschutzes scheint auf europaweite Ausschreibungen hinzudeuten. Sind angemessene Zeiten für die Vorbereitung und Durchführung solcher Ausschreibungen und Vergaben in den Projektideen der Verwaltung enthalten?

  • Mehrere zwischenzeitlich von CDU und FDP konsultierte Bausachverständige schätzen den Zeitbedarf für das Projekt „Oper im Staatenhaus“ auf mindestens drei Monate. Ob die Inbetriebnahme der technischen Einrichtungen auch schon in diesem Zeitraum erfolgen kann oder ob sich hierfür ein weiterer Zeitbedarf ergibt, ist unsicher und hängt vom tatsächlichen Projektverlauf ab.

  • Die Verwaltung selbst sagt, dass sie nach den ersten Begutachtungen mindestens zwei Monate für die Baustelle ansetzt. Beginnt der Ausbau der Hallen im September, hätte man folglich nach den Angaben der Verwaltung maximal eine Woche Puffer bis zum Premierenbeginn. Nach den Schätzungen der externen Experten könnte man wahrscheinlich frühesten im Dezember, evtl. erst in 2016 mit der Bespielung des Staatenhauses beginnen.

  • Es besteht also, auch vor dem Hintergrund des fehlenden Brandschutzes ein enorm hohes Risiko, dass der Premierentermin von Benvenuto Cellini doch nicht gehalten werden kann und diese Produktion zumindest in Teilen ausfällt. Welche Risikovorsorge ist hier denkbar? Gibt es einen Plan C?

Die Aufrechterhaltung des Spielplanes um jeden Preis ist aus Sicht der Intendanz ein nachvollziehbarer Wunsch. Angesichts der erheblichen Kostensteigerungen der Bühnenbaustelle, die sich deutlich abzeichnen, und angesichts der finanziellen Gesamtlage der Stadt Köln erwarten wir aber eine kostensensible Reaktion der Bühnenleitung. Es kann nicht heißen: “Wir planen das Bestmögliche und die Stadt wird schon bezahlen”. Wir fordern die Entwicklung sparsamer Lösungen!

Beispielfoto/Grafik: pixabay.com

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